Centro Stefano Franscini: Das Kongresszentrum der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) auf dem Monte Verità feiert seinen Zwanzigsten

“WoderWissenschaftlerKommunikationübenkann”

von Peter Jankovsky
Ein Ort der Sinnsuche und der Wissenschaft: Seit 1989 ist im Bauhaus-Hotel über Ascona auch das Kongresszentrum der ETH untergebracht

Magisch ist Asconas Berg der Wahrheit. Ein legendärer Ort der Kultur und Lebensphilosophie, der dank des momentanen Ausbauprojektes neue Visionen bieten wird. Doch der Monte Verità ist auch ein Ort der exakten Wissenschaften. Seit Herbst 1989 beherbergt nämlich das dortige Bauhaus-Hotel auch das Kongresszentrum der ETH, das Centro Stefano Franscini (CSF). Der Mann, der dem Zentrum den Namen gab, war der erste Tessiner im Bundesrat, und zwar im ersten Siebnergremium der Helvetischen Konföderation überhaupt. Aber das Interessanteste in diesem Zusammenhang ist dies: Franscini war Mitbegründer des Zürcher Polytechnikums, der späteren Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH). An der Jubiläumsfeier zum 20jährigen Bestehen des CSF hat am letzten Wochenende nicht von ungefähr ein Tessiner teilgenommen, der ebenfalls Mitglied jenes Siebnergremiums war: Der aus der Region Locarno stammende Alt Bundesrat Flavio Cotti hatte als damaliger Innenminister die Gründung des CSF wesentlich vorangetrieben. Er sei stolz auf die Existenz dieser Brücke zwischen der ETH und dem traditionsreichen Monte Verità, auch weil es sich um eine wichtige Brücke ins Tessin handle, erklärte Cotti gegenüber der Tessiner Zeitung. Und zwar nicht nur von der Deutschschweiz her gesehen: Bisher fanden im kleinen Centro Stefano Franscini rund 400 Forschungskongresse (überwiegend natur-, aber auch geisteswissenschaftliche) mit über 20 000 Teilnehmern statt, die zum grösseren Teil aus dem Ausland kamen. Da herrscht also eine magische Anziehungskraft. Die Schlussfolgerung: “Das Centro Stefano Franscini ist eine Plattform für Wissenschaftler aus aller Welt, und es macht gute Werbung für die ETH, aber auch fürs Tessin”, betonte CSF-Direktor Paolo Ermanni, der aus dem Luganese stammt. In der Tat hat das Centro eine wichtige Funktion als Schnittstelle zwischen der ETH und den einzelnen wissenschaftlichen Instituten des Tessins – v.a. der Computing-Abteilung der Luganeser Uni, dem Rechenzentrum CSCS in Manno und dem Biologie- sowie Krebsforschungsinstitut in Bellinzona. Und zwar weil das CSF laut Staatsrat Gabriele Gendotti ein Ort ist, wo der ganz persönliche Kontakt den wissenschaftlichen Ideenaustausch zwischen den einzelnen Forschungsstandorten im Tessin und der Deutschschweiz festigt und fördert. So wird das Tessin auch nördlich der Alpen besser wahrgenommen. Nach Unstimmigkeiten zum Beispiel im CSCS habe man nun Führungsleute, die den Kontakt zwischen den Instituten mit innerer Überzeugung vorantreiben, sagte auf Anfrage Heidi WunderliAllenspach, die Rektorin der ETH Zürich, die auch im Beirat der Stiftung Monte Verità sitzt. Jetzt werde die Zusammenarbeit mit dem Tessin noch intensiver und spannender. Wunderli hob aber auch hervor, dass das Centro Stefano Franscini mithilfe populärwissenschaftlicher und kultureller Anlässe wie den “Racconti al Monte” den Kontakt zur Tessiner Bevölkerung pflegt. Auf den Punkt brachte es das ehemalige CSF-Beiratsmitglied und Nobelpreisträger für Chemie des Jahres 2002, Kurt Wüthrich: Das Centro Stefano Franscini auf dem Monte Verità ist der Ort, wo die Wissenschaftler “die Kommunikation üben können”. Damit der Berg der Wahrheit auch künftig ein Berg der wissenschaftlichen Kommunikation bleibt, will CSF-Direktor Ermanni die hohe Zahl der Kongresse nicht nur erhalten. Neu finden ab Januar 2010 auf dem Monte Verità wissenschaftliche Winterseminare für Doktoranden statt, um die Vorteile dieses magischen Ortes auch in einer “Nebenzeit” zu nutzen. Zudem geht laut Ermanni der Trend zu Kurz-Kongressen von zwei bis drei Tagen – auch dafür ist der Berg der Kommunikation wie geschaffen.