Virtuell kommt der Nationalpark Adula fast wie eine offizielle Internetseite des Bundes daher: zweisprachig und mit Schweizer Fahne auf himmelblauem Hintergrund

EIN NEUES FENSTER AUF DAS RHEINWALDHORN

Rolf Amgarten
Ti-Press Mehr als bloss eine geschützte Zone: Das Adula-Gebiet könnte zum zweiten Nationalpark werden

Vvon or einigen Jahren galt dieses Tessin-Graubünden-Projekt als Stiefkind mit Gehproblemen. Von den erwünschten 31 Mitmach-Gemeinden sind heute noch 19 dabei. Schrittweise und unter Umgehung von Medienpolemiken wird die Landschaft um den höchsten Grenzberg zwischen den beiden Bergkantonen entworfen. In den nächsten Jahren wird die Einrichtungsphase angepackt werden. Das kostet rund fünfeinhalb Millionen Franken. Die Parkpromotoren haben heute Freitag das entsprechende Gesuch für eine Unterstützung von rund 2 Millionen Franken in Bern eingereicht. Der Kanton Graubünden beteiligt sich gemäss einem anteilsmässigen Verteilschlüssel mit rund 1,4 Millionen, der Kanton Tessin mit 600'000 Franken. Die Bündner Regierung hatte noch Ende Dezember 2009 ihren Beitrag definitiv beschlossen. Die Einrichtungsphase ist eine der wichtigsten innerhalb des Planungsverlaufs. In dieser soll geklärt werden, was konkret wo an menschlicher Aktivität noch erlaubt sein soll. Hier entscheidet sich auch, ob Kompromisse eingegangen werden können oder ob ein ostentatives Nein von Strahlern, Jägern und Fischern sowie Bauern und Rusticobesitzern das Projekt zum Stillstand und eine Neuorientierung bringt, wie es im Locarnese der Fall ist. Adula hat den Vorteil, dass ein Teil der Kernzone ums Rheinwaldhorn bereits heute geschütztes Gebiet ist, relativ hoch und weit von menschlichen Lebensräumen liegt. Auf der Greina entschied man sich bereits vor Jahren für den Verzicht der Wasserkraftnutzung, und es besteht längst ein Jagdbanngebiet; auch auf Blenioseite gibt es Platz für Wild, das nicht gejagt werden darf. Verhandlungsgegenstand dürfte die jüngst erworbene Goldschürflizenz für eine ausländische Firma werden. Goldschürfen und Kristalle sammeln läge in der Kernzone nicht drin. Dass die ganze Nationalpark-Region in die vier Regionen Surselva, Viamala, Calanca-Misox und Tre Valli unterteilt ist und damit regional unterschiedliche Mentalitäten aufeinander stossen, ist ein weiteres Problem. Ein Nationalpark könnte das Zusammenwachsen sogar fördern. Und damit die unterschiedliche wirtschaftliche und vor allem touristische Entwicklung ausgleichen. Die Gemeindemitglieder der 19 involvierten Gemeinden können das an der Urne entscheiden. Ein Jahr danach – die Zustimmung vorausgesetzt –  soll der zweite Nationalpark im Jahr 2015 öffnen. Bereits stehen drei Pilotprojekte fest, welche in den kommenden Jahren umgesetzt werden. Ein Themenschwerpunkt bildet die Jagd. Zusammen mit dem Kanton, den Regionen Tre Valli (Tessin) und Misox (Graubünden) sowie den Jägern wollen die Park-Koordinatoren in einer Arbeitsgruppe bis 2012 festlegen, wie das Ökosystem geschützt, und Wild und Mensch aneinander vorbeikommen. Das Projekt kostet rund 40'000 Franken. Eine zweite Arbeitsgruppe wird sich dem Thema der Alp-Sömmerung widmen. In ihr werden sich Alpbesitzer, Bauernverbände und die beiden kantonalen Landwirtschaftsämter in den nächsten vier Jahren über die künftige Nutzung einigen müssen. Dieses Teilprojekt ist mit rund 140'000 Franken veranschlagt. Ein drittes Pilotprojekt soll sich um einen künftigen nachhaltigen Tourismus kümmern, soll im Jahr 2011 starten und rund 110'000 Franken kosten. Ein weiterer Teilschritt besteht darin, den bisherigen Förderverein für den Nationalpark Adula in eine Stiftung umzuwandeln.