Villa Favorita erhält bald Gesellschaft von acht Häusern der Basler Stararchitekten Herzog & de Meuron

EINEHÄUSERZEILE FÜR GUTBETUCHTE

von Francesco Welti
Der Bauherr (oben links) mit dem Architektenteam

Acht Reihenhäuser werden wie an einer Schnur aufgereiht hinter der prestigeträchtigen Villa Favorita in Lugano gebaut. Dass es keine Allerweltshäuschen werden, dafür bürgen die Architekten, die Grundbesitzer und Bauherr Fausto Candolfi ausgewählt hat: Die Basler Herzog & de Meuron, die Erbauer des „Vogelnestes“in Peking. Dass ihr neuestes Werk in Lugano ebenfalls weltweit Beachtung finden wird wie das Olympiastadion, ist nicht anzunehmen. Dennoch erfordert das Bauprojekt an einer derart viel beachteten und exponierten Stelle Fingerspitzengefühl.

Das letzte verbaubare Grundstück des ehemaligen ThyssenBesitzes am See, wo die Familie von Hans Heinrich ThyssenBornemisza lange residierte und ihre sagenhafte Kunstsammlung als Attraktion für die Stadt präsentierte, befindet sich in Luganos Villenmeile Castagnola hinter der Villa Favorita und Nebengebäuden. Daran schliesst das Grundstück mit der Villa Helios an, die für um die 25 Millionen Franken zu haben war, und ganz in der Nähe befindet sich als weiteres Wahrzeichen aus der Belle Epoque die Villa Heleneum mit dem Museum für Aussereuropäische Kunst. 30 Millionen soll sich Candolfi das exklusive Thyssen-Grundstück haben kosten lassen. Das Baugesuch wurde vergangene Woche eingereicht. Bald hofft der Investor, den Häuserbau in Angriff nehmen zu können.

„Archi di Luce“ haben die Architekten das Projekt genannt, was übersetzt soviel wie Bögen des Lichts bedeutet. Glas prägt den Entwurf der Basler Stararchitekten auf der dem See zugewandten Front, sodass viel Licht in die Luxusimmobilien gelangt. Zwischen 360 und 660 Quadratmeter Fläche werden die Villen aufweisen, es handelt sich also um recht grosszügige Wohnlandschaften. Wie hoch der Preis für eines der im Park entstehenden Häuser sein wird, mag Candolfi vorerst aber nicht verraten. Klar ist jedoch, dass als Käufer nur gut situierte Personen in Frage kommen, die locker mehrere Millionen Franken für ein solches Objekt an der Prestigelage mit Seesicht auf den Tisch legen können. Acht davon zu finden, ist heutzutage keine geringe Herausforderung.

Die zusammenhängende Häuserfront auf dem 6000 Quadratmeter messenden Grundstück hinter der Thyssen-Villa wird jenem Teil der Bucht von Lugano zweifellos ihren Stempel aufdrücken. Es ist nicht auszuschliessen, dass der doch massive Eingriff auch Gegner finden könnte. Wobei die Bauten höchstens drei Stockwerke aufweisen dürfen, somit in der Vertikalen relativ diskret bleiben. Bei der Gestaltung der Häuser haben die Architekten nach eigenem Bekunden grössten Wert darauf gelegt, sie möglichst gut in den Kontext einzupassen und den bisherigen Charakter der Anlage möglichst beizubehalten, wofür eigens ein international bekannter Landschaftsgärtner hinzugezogen wurde.