Das Gebäude der RSI in Besso soll verkauft werden. Corsi und Gewerkschaft fordern, dass es öffentlich zugänglich bleibt

ALS KULTURELLES ZENTRUM NUTZEN

von Marianne Baltisberger
Die Bauten tragen die Handschrift der Architekten Rino Tami, Alberto Camenzind und Augusto Jäggli

Das Radiogebäude der RSI in Besso ist nicht nur von ansprechender äusserlicher Erscheinung, es überzeugt auch durch seine inneren Werte. Die Mediengewerkschaft SSM und der regionale Trägerverein der SRG SSR für die italienische Schweiz (Corsi) sind sich einig: Der zum Verkauf stehende Gebäudekomplex soll weiter der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

In den Jahren 1958 bis 1961 nach den Plänen des Architekten-Trios Rino Tami, Alberto Camenzind und Augusto Jäggli erbaut, beherbergt das Gebäude neben Radiostudios und Büroräumlichkeiten auch Tonstudios und das Auditorium Stelio Molo. Die italienische Sängerin Mina hatte dort Platten aufgenommen, und im grossen Konzertsaal geniessen Jazzfreunde die Auftritte internationaler Stars wie beispielsweise im vergangenen Dezember von Dee Dee Bridgewater oder vorher Pharoah Sanders. Musikproduktionen und Konzerte sollen in Besso weiter stattfinden, forderten die Mitglieder der Corsi unter dem Präsidium des ehemaligen Tessiner Regierungsrates Luigi Pedrazzini an ihrer Sitzung von vergangenem Wochenende. Das bestehende Know-how dürfe nicht verloren gehen.

Ähnliches schreibt die Gewerkschaft SSM in einem jüngst veröffentlichen Communiqué. Sie hat bereits 2007 eine Unterschriftensammlung gegen den Verkauf des Radiogebäudes vor den Toren Luganos lanciert, die von namhaften Persönlichkeiten unterstützt wurde. Insgesamt waren damals 2400 Unterschriften zusammengekommen.

Die Direktion der RSI ihrerseits erklärt in einem mehrseitigen Schreiben, dass Immobilienpolitik zur Finanzstrategie der SRG SSR gehöre und von der Generaldirektion in Bern gelenkt werde. Die RSI (das Radio und Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz) bezahle der SRG SSR für die Gebäude in Besso und in Comano Miete. Im September 2010 habe der SRG-Verwaltungsrat Comano zum Hauptsitz der RSI erklärt. Dort soll für Fernsehen und Radio ein neues Zentrum entstehen, das 2017 betriebsbereit sein wird. Was aus dem aktuellen Radiostudio in Besso werden soll, zeigen die Projekte eines Ideenwettbewerbs. Fünf davon sollen nach Aussage der RSI-Leitung von einem Komitee mit Vertretern der SRG, RSI und der Stadt Lugano geprüft werden.