Bis aus einem Tal ein Ort wird, kann es gut und gerne mal bis zu dreissig Jahre dauern

ONSERNONE: EIN FLUSS, EIN TAL, EINE GEMEINDE

von Rolf Amgarten
Eine Einheitsgemeinde mit dem Namen aller: Comune di Onsernone

In den achtziger Jahren war das Onsernonetal berühmt oder berüchtigt für seine Kommunen. Zivilisationsmüde Freaks und Hippies aus den Schweizer Städten suchten ihr Heil im nachhaltigen Anbau von Gemüse und Hanf, mit der Aufzucht von Vieh. Als die hintere Talschaft allerdings Gefahr laufen sollte, die politische Macht an die Zuwanderer zu verlieren, wurden andere Saiten aufgezogen. Heute verweisen nur noch wenige Spuren auf die bewegte Zeit.

Heute läuft die Talschaft vielmehr Gefahr, an Abwanderung auszubluten. Dem Onsernonetal fehlt die Generation X.

Das wusste man dort schon vor Jahrzehnten. Deshalb ging das Tal schon früh den Weg der Eingemeindungen. Dort fand eine der ersten freiwilligen Fusionen im Kanton Tessin statt. Im Jahr 1995 sagte die Mehrheit der Dörfer Russo, Crana und Comologno zur Einheitsgemeinde zur kleineren Schwester Onsernone ja. Im Jahr 2001 stimmten Auressio, Loco und Berzona für den Zusammenschluss als Isorno. Nun könnte aus dem Flussund dem Talnamen eine grosse Gemeinde werden. Seit gut sechs Jahren möchte man eigentlich den Wurf wagen: Aus den bestehenden Kommunen soll eine werden. Die Einheitsgemeinde Onsernone mit gleichnamigem Tal, dass sich an der Isorno angesiedelt hat. Bereits 1978 gab es eine erste Abstimmung mit dem selben Ziel. Sie wurde mit nur einer Stimme Mehrheit abgelehnt.

Am 23. September dieses Jahres könnte es soweit sein. Die Urnengänger haben dann zu sagen, ob sie diesen Zusammenschluss als Glaubensstrategie gutheissen wollen. Aus den bisherigen Gemeinden Gresso, Isorno, Mosogno, Onsernone und Vergeletto würde eine werden. Eine mit einem riesigen Waldreservat und Aussicht auf Teilhaberschaft am geplanten zweiten oder dritten Nationalpark.

Rund 5 Millionen Franken aus dem Fusionspot winken ihnen, wenn sie ja sagen. Vier Millionen dienen dann zur Schuldentilgung, also zur Finanzsanierung, wie es technischer heisst. Eine Million soll für den Bau der lange schon ersehnten Sporthalle von Russo herhalten. Der Einheitssteuerfuss würde auf 95 Prozent politisch festgelegt und der Selbstfinanzierungspegel stünde bei rund 600’000 Franken. Um das Tal dann auch noch fit für die Neue Regionalpolitik zu machen, sollen rund 100’000 Franken als Pauschale für die Schaffung einer auf zwei Jahre laufenden Teilzeitstelle für die Promotion vom Kanton eingeschossen werden. Klar hätte man auch gern mehr genommen. Aber schon die Aussicht, dass es endlich weitergeht mit dem Zusammenschluss verweist auf eine mögliche Zukunft.

Ti-Press