Eine Alp wieder aufwerten und die Vorfahren ehren: das will die Stiftung

VERGANGENHEIT ZUKUNFT GEBEN

von Rolf Amgarten
So bietet sich die Alpe Magnello dem Besucher, der von unten über Fontanella und den schwierigeren Sentiero ankommt

Fritzli muss im Stall bleiben. Der künftige Stier ist erst vor einigen Tagen zur Welt gekommen und noch zu jung für die Alp. Draussen sömmern knapp ein Dutzend Kühe, einige Rinder und der ausgewachsene Stier. Drei Ziegen dösen im warmen Mittagslüftchen. Aber als allererste begrüssen einen die drei glücklichen Wollschweine, wenn man den Weg aus dem Bergpfad über die Lichtung einer hochmoorartigen Fauna zur Alpe Magnello und zur Käserei geschafft hat. Die jungen Älpler begrüssen den Besuch ebenso freundlich wie ihr Wachhund. Bei ihnen ist der leckere Kuh- oder Geissenkäse im Direktverkauf erhältlich, den man sonst weiter unten, auf dem Biohof Munt la Reita in Cimalmotto erhält. Die Privatbesitzer einiger der kleinen Steinhäuser arbeiten entweder wacker am Wiederaufbau ihres Erbes oder fläzen vor ihrem Rustico bequem in Liegestühlen. Ein unbeschreiblicher Friede geht von dieser „Wohngemeinschaft“ aus, die von allen Seiten durch schroffe Felsgebirge umgeben und von einer undefinierten grünen Grenze nach Italien gestreift wird.

Das Projekt der Wiederbelebung einer alten Alp im Rovanatal geht auf Aktivitäten des Biohofs der Bauernfamilie Senn sowie auf das Engagement von Patriziat und Gemeinde zurück und ist als Stiftung Alpe Magnello (www.alpemagnello.ch) seit 2008 aktiv. Unterstützt wird sie von der Binding Stiftung und dem Fonds Landschaft Schweiz. Bereits seit 25 Jahren sömmert dort das Braunvieh der Senns vom Munt la Reita (www.muntlareita.ch).

Mit insgesamt 1,2 Millionen Franken soll das Projekt Alpe Magnello in den kommenden Jahren schrittweise mit Nutzungsmöglichkeit für Viehwirtschaft und sanften Tourismus realisiert werden. Mit dem benachbarten italienischen Val Cravariola soll zusammengearbeitet werden. Für einen neuen Nationalpark könnte das Projekt sogar richtungweisend sein. Einerseits soll der Wanderrundweg verbessert werden und der etwas kürzere aber gefährlichere Transhumanzweg soll sicherer gemacht werden, damit künftig der Alpaufzug auch auf diesem via Fontanella oberhalb von Cimalmotto geführt werden kann. Einige der Steinhäuser sollen in Schuss gebracht werden, so wie das die Stiftung zusammen mit Landschaftsfonds und BindingStiftung für den grossen Stall für rund 130'000 Franken bereits realisiert hat. Lärchenjungwald und vor allem der invasive Rhododendron sollen ausgeforstet und das Hochmoor soll aufgewertet werden. Ein Haus soll aufzeigen, wie in früheren Jahren die Alpbewirtschaftung dort getätigt wurde. Auf einer Alp rund 1800 m ü. M, auf der jede Familie ihr eigenes Vieh hütete und den eigenen Käse produzierte. Die Alp wurde erstmals um 1652 in einem Weiderechtsvertrag namentlich erwähnt und gehört zum Gebiet von Campo Vallemaggia, wo rund 50 feste Einwohner sich die Weiler Niva, Piano, Campo und Cimalmotto teilen. Von Cimalmotto aus über Fontanella geht der nur mit gutem Wanderschuhwerk zu ersteigende Sentiero durch Lärchenwald, an Bächlein vorbei über vorstehende Felskanten am Fluss hoch. Manchmal geht es linkerhand recht steil hinunter. In gut eineinhalb Stunden ist man auf der Alp. Zu Fuss ersteigt man sie, zu Fuss bringen die jungen Älpler den Käse herunter und im Herbst dann auch das Vieh. Helikoptereinsätze sind Ausnahmefällen vorbehalten. Um nicht den gleichen Weg zu nehmen, kann als Alternative der etwas einfacher gestaltete aber langwierigere Weg gewählt werden, bei dem ein letzter Teil auf einer Landstrasse und bis Cimalmotto auf Asphalt gegangen werden muss. Da haben es die drei glücklichen Schweine und Fritzli, der Jungstier, bequemer: Sie werden hinunter geflogen.