Einige der Hochlandrinder von Guido Leutenegger tragen ab diesem Frühjahr zusätzlich zu Kuhglocken auch GPS-Sender

“LOTTI” PER SATELLIT AUF DER ALP FINDEN

von Martina Kobiela
GPS-Position dieser Kuh: www.getposition.com, Login: GO, ROYALTAG, ROYALTAG12

Die erste Woche nach der Geburt eines Kalbes sei die kritischste in der Beziehung zwischen Mutterkuh und Nachwuchs, erklärt Guido Leutenegger, Inhaber von Natur Konkret. Der Landwirt erläutert, dass es in den ersten Tagen passieren könne, dass die Mutterkuh das Kalb nicht genügend säuge. Rechtzeitig festzustellen, dass ein Kalb keine Milch bekomme, sei auf grossen Weiden schwierig und zeitaufwendig. Deshalb testet Leutenegger seit dem Jahreswechsel einen GPS-Sender bei einem seiner Hochlandrinder. Dank den Satellitendaten wird der Hirte erkennen, wo sich die Tiere befinden, auch wenn sich diese gerade nicht bewegen – was bei einer Kuhglocke notwendig wäre.

Leutenegger will zusammen mit Ernesto Beretta von der Universität Mailand, der die Sender entwickelt hat, eine Software erarbeiten, die eine Warnung per SMS verschickt, sobald Mutter und Kalb mehr als zum Beispiel 12 Stunden keinen Kontakt hatten. So könne rechtzeitig eingegriffen werden. Der Test auf der grossen Weide in Riazzino, gleich neben den Bahngleisen, ist erfolgreich verlaufen, und einer grossflächigen Anwendung der elektronischen Kuhglocke steht nichts mehr im Wege.

Nach dem erfolgreichen Test des Prototyps wird die gesamte seit Dezember im Piemont weidende Herde dieses Frühjahr mit den GPS-Sendern ausgerüstet. Auch eine spielerische Anwendung der 150 Franken teuren GPS-Sender für die Investoren in die Aktie Lotti hat Leutenegger geplant. Denn er ist kein traditioneller Bauer, der einfach nur Hochlandrinder züchtet und ihr Fleisch verkauft. Mit der “Aktie Lotti” gibt Leutenegger so genannten “Investoren” die Möglichkeit, 2500 Franken über zehn Jahre in ein Rind zu investieren und dann jährlich für mehrere hundert Franken Produkte von Natur Konkret, wie Trockenfleisch der Marke “mucca contenta”, zu erhalten.

Die Investoren können “ihren Highlander” auch besuchen. Hier setzt die spielerische Anwendung des GPS-Senders an. Mit einem Login per Internet oder per Smartphone-App machen die Investoren “ihr” Rind und seine Bewegungen auf der Weide ausfindig. Neu-Investoren in die Rinder im Piemont werden nach nur wenigen Tagen den Aufenthaltsort ihres Tieres per Satellitentechnik erfahren. Die Tessiner Herden will Leutenegger innerhalb von fünf Jahren mit GPS ausrüsten.