Vier Studenten an der USI in Lugano haben im Rahmen einer Seminararbeit Strategien zur Tourismusförderung in Giornico erarbeitet

SINDACO ROMANO ROSSI: “JETZT SIND WIR DRAN!”

von Martina Kobiela
Ti-Press Die Tourismus-Studentin Karin Althaus hatte die Idee, Strategien für den Fall Giornico auszuarbeiten

Giornico hat etwa 850 Einwohner, liegt im Leventinatal, hat keine Autobahnverbindung und keinen Bahnhof. Im Dorf gibt es sieben Kirchen, mindestens zwei davon, San Nicolao und San Michele, von weltweitem Renomee. 2014 wird hier das LeventinaMuseum eröffnet. Im Ort gibt es zwei Bed and Breakfasts, einen Dorfladen und die Post, kein Tourismusbüro, aber hin und wieder einen Reisebus mit asiatischen Touristen, die das moderne Museum La Congiunta sehen wollen. Vier Studenten der Universtiät der Italienischen Schweiz (USI) haben sich des dürftigen Tourismus in Giornico im Rahmen eines Papers angenommen. Die Deutschschweizer Fabio Flepp, Karin Althaus, Isabelle Seiler und die Spanierin AnaVela Gajon haben die interessierten Parteien Giornicos, Stakeholder genannt, zur Präsentation ihrer Seminararbeit eingeladen.

Es ist Dienstagnachmittag. Noch scheint die Sonne in Lugano. Die ersten beiden Sitzreihen in dem grell-orangen Kursraum sind für Journalisten und Stakeholder reserviert. Zunächst wirkt der Kontrast zwischen den jungen Studenten vorne auf dem Podest zu den Damen und Herren aus Tourismus und Gemeinde in der ersten Reihe frappierend. Doch eine Diashow mit Bildern Giornicos musikalisch untermalt vom Klarinettisten Marco Santilli aus dem Dorf selbst lässt die Distanz zwischen den Studenten und den Einheimischen für einige Momente schwinden. Als der auf Englisch gehaltene Vortrag beginnt, tut sich der Graben wieder auf: auf der einen Seite die Studenten, die bisher drei mal in Giornico waren, sich einen Überblick über das Angebot gemacht haben und Verbesserungsvorschläge präsentieren. Auf der anderen Seite Menschen wie Sindaco Romano Rossi, der sein ganzes Leben in Giornico gelebt hat und sich seit Jahren als Gemeinderatspräsident für die Geschicke des Ortes und seiner Bewohner einsetzt.

Der Vortrag ist akademisch. Es geht um SWOT, DMO und PreCommunication Tools. Es geht darum, was Diana Tenconi, die Direktorin des Museums der Leventina, zu dessen Eröffnung im Jahr 2014 tun muss, um daraus ein überregionales Event zu machen. Die Studenten schlagen Rossi u.a. vor, die Steuern zu erhöhen und beim lokalen Gewerbe einen Solidaritätsfranken zu verlangen, um ihre Ideen zur Tourismusförderung umzusetzen. Die meisten der Strategien zielen darauf, Fremden den Zugang zu erleichtern und besser zu Informieren. Schilder an den Autobahnausfahrten Biasca und Faido sollten auf den historischen und kulturellen Wert Giornicos aufmerksam machen. Ein einheitlicher Internetauftritt, ein besserer Ortsplan, der an Grossen Orientierungstafeln ausgehängt ist und kleinere Schilder an den jeweiligen Attraktionen, die auf weitere Sehenswürdigkeiten in der Nähe hinweisen, sollen einen Besuch Giornicos attraktiver und einfacher machen. Und zumindest sollten die Emailadressen der Besucher des Museums La Congiunta, das ohnehin bereis Name und Nationalität erfasst, aufgenommen werden, damit die Gäste später wieder kontaktiert werden können.

Der Gemeindepräsident hätte beleidigt auf diese Kritik seiner Heimat reagieren können. Doch Rossi lobte die Studenten für ihre innovativen Ideen, von denen manche – wie ein City Golf Parcours – wohl eher Träume seien. Der Sindaco dankte der Universität, dass sie ihre Studenten ins Feld schickt und meinte: "Ihr Studenten habt uns einen Stimulus gegeben. Nun sind wir dran!"