Zugskollisionen aufgrund von überfahrenen roten Ampeln sind dank des modernen automatischen Bremssystems (ETCS) unwahrscheinlich

NEUES SICHERHEITSSYSTEM BEI 90% DES NETZTES IM EINSATZ

von Martina Kobiela
Ti-Press

Laut Medienberichten wurden allein in diesem Jahr schweizweit 63 Rotlichtsignale von Zügen überfahren. Nach der Zugskollision in der letzten Woche auf der Strecke Palézieux-Palerne, bei welcher einer der beiden Lokführer ums Leben kam, stellt sich auch im Tessin die Frage nach der Sicherheit. Was passiert, wenn ein Zugsführer ein Rotlichtsignal überfährt? Kann der Zug rechtzeitig abgebremst werden? Bei Granges-Près-Marnard, wo sich der Unfall ereignete, war das Sicherheitssystem Signum im Einsatz, das die Bremsung des Zuges einleitet, wenn die rote Ampel bereits überfahren wurde – in manchen Fällen ist das zu spät. Moderne Zugsicherheitssysteme nach dem Standard European Train Control System (ETCS) sind im Tessin bereits auf 90 Prozent der Strecken im Einsatz, einschliesslich des Gotthard-Tunnels, wie Roberta Trevisan, Mediensprecherin der SBB im Tessin, versichert. Der neue ETCS-Standard leitet die automatische Bremsung früher ein und kann so potenzielle Unfälle verhindern. Wobei es sich beim ETCS L2, um eine raffiniertere Version handelt als beim ETCS L1. Im Rahmen der Bauarbeiten an der Alptransitstrecke wird der Grossteil der Strecke auf der Nord-Süd-Achse zwischen dem Gotthard-Basistunnel, über den neuen Ceneri-Basistunnel bis nach Vezia (bei Lugano) mit dem Sicherheitssystem ETCS L2 ausgerüstet. Zwischen Pollegio und Castione soll das neue System im Oktober 2015 in Betrieb genommen werden, im Ceneri-Basistunnel im Dezember 2019, wie es im Standbericht ETCS des Bundesamts für Verkehr heisst. Bis Ende 2016 soll das Signum-System auf allen Tessiner Strecken mit ETCS ersetzt werden, erklärt Roberta Trevisan.

Ein weiterer Meilenstein in der Bahnsicherheit wird im Juli 2014 in Betrieb genommen. Dann wird der Eisenbahnverkehr im Tessin von der neuen Betriebsleitzentrale (CEP) in Pollegio geleitet. Das wegen seiner Form “Periscopio” genannte Gebäude wird ab 2015 eines von nur noch vier Betriebsleitzentralen in der Schweiz sein – 2009 waren es noch über 100. Pollegio wird dadurch eines der Kompetenzzentren der SBB. Im CEP werden ca. 150 Personen arbeiten, 100 aus Bellinzona, 50 zusätzliche Stellen werden geschaffen.