BERUF AUS BERUFUNG

Otto Eisenhut: Passion für Magnolie und Co.

von Christina Hasler

In lebendiger Erinnerung habe ich den Besuch des “Giardino Botanico Otto Eisenhut” im Kindesalter, als ich auf den Wegen im “Labyrinth” versuchte, die Orientierung zu behalten.

Otto Eisenhut, ein Mann von stattlicher Gestalt, erscheint auf die Minute genau zum Treffen und begrüsst mich freundlich. Der 82-jährige Gründer der Gärtnerei und des Schaugartens hat die Geschäfte seit mehreren Jahren an seinen Sohn Reto Eisenhut abgetreten. Der Rentner erzählt mit wachem Geist aus der Vergangenheit. Seine Ausbildung zum Gärtner genoss Otto Eisenhut, der im Toggenburg aufgewachsen ist, in Horgen. Nachdem er im In- und Ausland gearbeitet hatte, besuchte er die Gartenbauschule an der Universität Stuttgart-Hohenheim. Nach dem Abschluss zog er ins Tessin, wo seine Eltern seit einiger Zeit lebten. In einem Hühnerstall, den er zu einem Gewächshaus umfunktionierte, begann Otto Eisenhut Pflanzen zu vermehren. Oberhalb von San Nazzaro kaufte er ein Grundstück und begann sein Geschäft mit Schnittblumen und -stauden. Auf die Frage, wann das gewesen war, schmunzelt der einst so umtriebige Gärtner etwas verlegen: “Ich muss immer auf meinem Führerschein nachschauen, denn ich begann ein Jahr vor meiner Fahrprüfung.” Er kramt seinen Ausweis heraus; dieser trägt das Jahr 1956. Also legte Eisenhut sen. im Jahr 1955 den Grundstein für die heutige Gärtnerei. Nach rund 10 Jahren stellte Otto Eisenhut seinen Betrieb, in dem auch seine Frau mithalf, von Schnittstauden auf Baumschule mit Jungpflanzen um. Mit Passion vermehrte er selbst Pflanzen. Das milde Seeklima am Schattenhang erwies sich als ideal für Kamelien, Rhododendren und Magnolien: Da sind sie nicht der vollen Sommerhitze ausgesetzt und der Boden trocknet nicht aus. Durch die Bekanntschaft mit Sir Peter Smithers von Vico Morcote, der eine beeindruckende Pflanzensammlung besass, wurde Otto Eisenhut motiviert, selber auch noch mehr seltene Pflanzenarten aus dem Ausland zu importieren; z. B. aus den USA. Im Garten Smithers, dem britischen Diplomaten im Ruhestand, war die Magnolia Campbellii “Princess Margaret” krank und Smithers bat Eisenhut, aus dem bestmöglichen Material dieser Pflanze Veredelungen zu machen. Das Unterfangen gelang! So kam Eisenhut zu den Magnolien. Er betrieb weiter Veredelungen und die Gärtnerei Eisenhut wurde zur Topadresse für Magnolien und Kamelien. Otto Eisenhut hat denn auch zahlreiche Preise erhalten: z. B. im Jahr 2003 von der Stiftung “Lotte und Willi GünthartMaag” oder im Jahr 2001 den “Schulthess-Gartenpreis”. Auch fachliche Beratung ist noch heute ein Steckenpferd der Gärtnerei.

Ein Botanischer Garten war eigentlich nie geplant, aber man setzte nach und nach die Mutterpflanzen ins Freie; so entstand der Schaugarten. Heute kümmert sich eine Stiftung unter dem Namen “Parco botanico del Gambarogno” um den 17’000m2 grossen Garten. Ein Besuch des Parks mit den über 500 Magnolien-, über 1000 Kamelien-, 400 Azaleen- sowie Rhododendronarten und-sorten lohnt sich. Er ist das ganze Jahr jeden Tag offen; und im Frühling ein Fest der Sinne!