Einmal mehr muss in der Südschweiz der Kampf gegen gebietsfremde Pflanzenarten geführt werden, es geht um den Schutz und die Erhaltung der heimischen Flora

FÜR DIE BIODIVERSITÄT UND GEGEN INVASIVE NEOPHYTEN

von Niklaus Starck
Die Riesen-Goldrute steht auf der Liste der verbotenen invasiven gebietsfremden Pflanzen

Im Bleniotal wird dieser Tage den invasiven Neophyten zu Leibe gerückt. In einer Aktion der Gemeinde Blenio, der Associazione Parc Adula und dem Kanton Tessin, sind derzeit Zivildienstleistende dabei, die unerwünschten Pflanzen mit Hakke und Schaufel samt Wurzelwerk auszugraben und zu vernichten, nichts davon darf übrig bleiben. Dieser manuelle Eingriff ist nötig, weil der Einsatz chemischer Mittel auf dem Gelände des Nationalpark-Projekts Parc Adula nicht erlaubt ist. Ziel dieser Ausrottung ist der Schutz der Biodiversität. Liesse man invasive Neophyten sich verbreiten wie sie wollen, würden sie ihrerseits die heimische Flora überwachsen und vernichten. Der Kampf im Bleniotal richtet sich gegen die Riesen-Goldraute, Solidago gigantea, und den Japanischen Staudenknöterich, Reynoutria japonica.

Der Begriff Neophyten kommt aus dem Lateinischen und steht für neue Pflanzen . Es handelt sich um Gewächse, die mit dem Aufkommen der globalen Schifffahrt im 15. Jahrhundert absichtlich oder unabsichtlich von einem Kontinent zum anderen gebracht wurden. Es kam und kommt zur Konkurrenz zwischen diesen gebietsfremden Arten und den heimischen Pflanzengemeinschaften. Der Begriff invasiv hat sich für Pflanzen eingebürgert, die sich störend oder zerstörerisch auf die regionale Flora verhalten. Invasive Neophyten sind mitverantwortlich für das Artensterben. Neben dem Japanischen Staudenknöterich und der Riesen-Goldraute wird in der Südschweiz seit Jahren auch das Aufrechte Traubenkraut, Ambrosia artemisiifolia, als gesundheitsgefährdender Neophyt bekämpft. Sie kann heftige Allergien, Atemnot oder Asthmaanfälle auslösen. Sie steht auf der Schwarzen Liste, ihr Auftreten ist meldepflichtig. In der Pflanzenschutzverordnung, PSV, des Bundes wird die Ambrosia als einziges Unkraut namentlich als besonders gefährlich deklariert.

Von den rund 350 in der Schweiz wachsenden Neophyten gelten 45 als invasiv, ihrer 23 stehen auf der Schwarzen Liste. Weiterführende Informationen zum Thema sind im Internet unter www.infoflora.ch zu finden.