Die Burgen von Bellinzona haben laut einer Beraterfirma das Potenzial, zu einer der zehn wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Schweiz zu werden. Mittelfristig könnten 300’000 zahlende Besucher kommen

STADT,KANTON UND TOURISMUS WOLLEN IN WELTERBE INVESTIEREN

von Martina Kobiela
Die Burgen und die Befestigungsmauer sollen durch Verbindungswege wieder als geschlossenes System wahrgenommen werden

In den nächsten fünf bis sieben Jahren sollen 300’000 zahlende Besucher die Burgen von Bellinzona besuchen, hofft Stadtpräsident Mario Branda. Derzeit kaufen ca. 45’000 Personen ein Eintrittsticket, um die Burgen zu sehen. Da aber grosse Teile der Burgen, wie die Höfe der grössten Burg Castelgrande und der mittleren Befestigungsanlage Montebello, gratis zugänglich sind, sind es bereits heute de facto insgesamt 100’000 Personen, die die Unesco-Welterbestätte in der Kantonshauptstadt pro Jahr besuchen, schätzt die regionale Tourismusorganisation.

Die Versechsfachung der zahlenden Gäste will die Stadt mit einer Neuausrichtung ihres wichtigsten historischen und kulturellen Schatzes erreichen. Dazu wurde im 2014 die Luzerner Unternehmung Erlebnisplan GmbH engagiert, die bereits für die UnescoWelterbestätte Monte San Giorgio ein neues Konzept ausgearbeitet hat. Matthias Imdorf, Mitinhaber von Erlebnisplan, stellte in Aussicht, dass die mittelalterliche Befestigungsanlage mittelfristig bereits zu den Top 10-Destinationen in der Schweiz gehören könnte.

Das Konzept sieht multimediale Erlebnisse, welche die Militärund Regionalgeschichte für ein breites Publikum aufbereiten, vor. Im Castelgrande sieht das Konzept der Luzerner Firma ein multimediales Spektakel im Eingangsbereich des derzeitigen Museums vor, das den Besuchern in wenigen Minuten die Geschichte und die Bedeutung der Burgen näherbringen soll. Stadtpräsident Branda betonte, wie wichtig es sei, die Burgen in der Geschichte zu verankern. Selbst vielen Tessinern sei die Geschichte der Burgen nicht bekannt und viele Einheimische realisierten die Bedeutung des Monuments mitten in der Stadt gar nicht. Die jeweiligen Burgen sollen unterschiedliche Zielgruppen ansprechen – Montebello zum Beispiel soll unter anderem mit einem Spielplatz im Mittelalter-Look Familien und Kinder ansprechen. Trotzdem sollen die Burgen mit ihrer Verteidigungsmauer als zusammenhängendes System wahrgenommen werden. Dazu verhelfen sollen thematische Verbindungswege, die die Besucher wandernd erleben. Auf diese Art könne erreicht werden, dass Gäste den ganzen Tag in Bellinzona blieben und nicht nur eine Stunde.

Das Gesamtkonzept zur touristischen und historischen Aufwertung der Burgen soll etwa 8 Millionen Franken kosten und bis zur Alptransit-Eröffnung 2020, spätestens 2022, ungesetzt werden. Welche Ideen der Deutschschweizer Berater tatsächlich realisiert werden, soll eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von Kanton, Stadt und der regionalen Tourismusorganisation in den nächsten sechs bis zehn Monaten entscheiden. Die Burgen befinden sich seit 1803 im Besitz des Kantons.