Auch gastronomisch lohnt sich der Besuch im Ökozentrum Pro Natura Lucomagno alleweil. Am besten gleich mit einer oder zwei Übernachtungen im schön ausgebauten Hotel

ZIMMER MIT AUSSICHT ODER YURTE UNTER DEN STERNEN

von Rolf Amgarten
Von der Terrasse im Hirsch- oder Wolfzimmer lässt sich gleich die nächste Route aufs Hochplateau studieren
Übernachtungsvariante mit dem Fokus auf die Unendlichkeit
Nebst der Garnitur für Bergfreunde gibt es eine für Gourmets

Allmählich gehen die Tage der Badefreuden zur Neige. Das grosse Erfrischungsbad in der Natur bringt nun wieder das Wandern. Und das nicht nur mental, sondern auch körperlich. Am reizvollsten ist deshalb der Ort, an dem wir schon frühmorgens starten können. “Im Frühtau zu Berge...”, heisst das Lied ja nicht ohne Logik.

Damit dieses möglich ist und dabei auch noch zwar nicht unbescheidene aber doch zeitgemässe Ansprüche nicht zu kurz kommen müssen, hat die Umweltvereinigugn Pro Natura beispielsweise auf dem Lukmanier gesorgt. Ihr Ökozentrum bei Acquacalda wurde grundlegend saniert und ausgebaut, ohne damit die Grundbedürfnisse für jedes Budget und dort bisher angebotene nonkonformistische Übernachtungsart zu vernachlässigen oder abzuschreiben.

Ausblick in die Sterne Noch immer können Mitglieder und Nichtmitglieder der Pro Natura auf dem dortigen Zeltplatz direkt am See campen. Exotischer ist da schon das Schlafen in der Yurte mit Ausblick in die Sterne. Wer hingegen das hochkonfortable und etwas luxuriöse Übernachten sucht, wird mit einem der renovierten Gästezimmer bestens bedient. Das Hirsch- oder Wolfzimmer sind besonders zu empfehlen, da dabei die Aussicht ins Bergpanorama, auf die Hügelbäume und aufs Hochplateau mitgeliefert wird und der Terrassenplatz im Preis inbegriffen ist. Die neuen Zimmer kommen alle aus dem Wald: sie tragen die Namen von Tieren aus dem Forst und sie sind zum grossen Teil aus heimischem Holz. Die Zimmer sind übersichtlich, den neuen Jugendherbergen ähnlich organisiert, mit viel Stauraum fürs Gepäck in Holzregalen. Der Raum für Dusche und WC ist rational genutzt, aber mit leichten, ansprechenden Armaturen und sanitären Anlagen eingerichtet. Bis zu 30 Personen können in verschiedenen Zimmerkategorien übernachten: sieben Doppelzimmer mit Dusche und WC, zwei Zimmer mit Verbindungstür und gemeinsamer Dusche und WC, zwei Mehrbettzimmer mit vier bis sechs Etagenbetten und Dusche und WC auf der Etage.

Schöner ist es zu bleiben Man muss zwar nicht übernachten, um die feinen Gastroangebote im hellen Speiserestaurant zu geniessen. Und da gibt es wirklich einiges. Ideenreich angerichtet und garniert mag es etwas an die Nouvelle Cuisine erinnern, die Portionen tun es nicht. Da merkt man, dass man in den Bergen ist und sich schön für den nächsten Tag stärken kann. An einem Samstag kommen immer mal wieder Gäste das Tal hoch, nur um die feine Küche des Centro Pro Natura auf dem Lukmanier zu geniessen. Da kann es sogar vorkommen, dass der Direktor des kantonalen Verkehrsbüros mit Familie und Freunden neben einem sitzt und sich persönlich von der Qualität der Speisen überzeugt. Möglich ist es übrigens, Halbpension zu buchen. Bei genügend Gästen wird für die “Pensionäre” ein eigenes Gericht gekocht. Sollten Sie das Glück haben, in einer Zeit dort zu übernachten, in der es weniger Gäste hat, dann öffnet sich die Menükarte zur freien Wahl, wie der Sesam beim richtigen Losungswort.

Aber viel schöner, als nach dem Essen wieder ins Tal hinunter zu fahren, ist es, einen Nachtspaziergang in der Umgebung zu machen und den Tieren nachzuhorchen. Mit dem Wissen, dass man, falls man müde wird, einfach um die Ecke biegen muss, eine Treppe hoch und schon darf man in die weichen Federn fallen. Sich fallen lassen, bis der Tag anbricht.

Das Morgenbuffet ist übrigens herrlich und üppig. Alles kommt aus der Region: die Milch, die Butter, der Käse, Yoghurt, Honig und Marmelade, das Brot, die kleinen Hörnchenvarianten aus dem eigenen Backofen. Nur Kaffee und Schokolade kommen von weiter her. Man isst, bis man satt ist. Das Frühstück ist einfach köstlich. Auch hier ähnelt das Konzept den modernen Jugendherbergen. P.S. Diese Wohltaten sind alle empirisch erfahren – also keine Goodwill-Aktion – und bei einem Inkognito-Besuch ohne Vergünstigungen getestet worden.

Freundliches Ambiente

Wer bei den Preisen übrigens etwas sparen will, kann bei Pro Natura Mitglied werden. Damit unterstützt man nicht nur dieses Ökozentrum, sondern grundsätzlich Öko-Ideen und -Initiativen. Was besonders erfreulich ist, das Team um die junge Familie Bernasconi ist sehr taff, freundlich und hilfsbereit. Die Bernasconis betreiben das Ökozentrum auf dem Lukmanier während der Saison und sind Mitarbeiter von Pro Natura Tessin. Freundlich wird man auch empfangen, obwohl der Gästeandrang im Restaurant und auf der Terrasse zeitweise alles vom Personal abverlangt. Sollten Sie einen Passausflug über den Lukmanier planen: am Apfelstrudel bei Acquacalda kommen Sie nicht vorbei.