Das neue Bergrestaurant auf dem Monte Generoso wird den Betrieb 2017 aufnehmen

RIESENBLUME AUS STEIN UND GLAS

von Gerhard Lob
Mario Bottas Schöpfung: die Arbeiten auf dem Gipfel schreiten planmässig voran

Der Monte Generoso gehört zweifellos zu den schönsten Aussichtspunkten im Tessin. Wegen des prächtigen Panoramas, das von der Alpenkette bis zur Poebene reicht, wird der Berg auch “die Rigi der italienischen Schweiz” genannt. Doch leider ist der Zugang mit der Monte Generoso-Bahn seit zwei Jahren ausgesetzt. Grund ist der Neubau des Restaurants an der Bergstation. Das vollkommen veraltete Restaurant aus den 1950er Jahren wurde abgerissen; nun wird ein neues Gipfelrestaurant nach den Plänen von Stararchitekt Mario Botta gebaut. Im Rahmen einer Baustellenbegehung zeigte Mario Botta dieser Tage, was auf 1600 Metern über Meer entsteht, denn das vierstöckige Gebäude ist mittlerweile bis zum Dach erstellt. Charakteristisch ist der achteckige Grundriss. Auf sieben Seiten stehen von Fensterflächen durchbrochene Türme. Die Grundfläche des Oktogons wird erst grösser und mit steigender Höhe wieder schmaler. “Das Ganze ist wie eine Blume”, sagt Mario Botta und verweist zugleich auf den aussergewöhnlichen Standort. Das Gebäude befindet sich auf dem Grat, der das liebliche Muggiotal mit seinen Trockenwiesen von der rauen Gebirgslandschaft gen Norden trennt. Es sei ein Privileg, an seiner solch exponierten Stelle bauen zu dürfen, in

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dem ein Gebäude zugleich zu einem Zeichen in der Landschaft werde. Im Erdgeschoss wird es Material- und Serviceräume geben, im zweiten Geschoss entsteht ein Kongressraum mit Platz für 100 Personen, im dritten Geschoss ein Self-Service-Restaurant mit 120 Sitzplätzen und im vierten Stock ein bedientes Restaurant mit einer Kapazität von bis zu 100 Personen. “Der Innenbereich wird ganz mit Holz ausgekleidet, wer an den Fenstern sitzt, wird das Gefühl haben zu fliegen”, verrät Botta. Und für die Verkleidung der Mauern werden graue Granitsteine aus dem Maggiatal dienen. Den schönsten Rundumblick geniesst man allerdings von der Dachterrasse, doch diese wird aus Sicherheitsgründen nur sehr restriktiv zugänglich sein. “In dieser Höhe zu bauen, ist nicht ganz einfach, schon allein wegen der Temperaturen und der Witterung”, sagt Bauleiter Marzio Giorgetti. Aus dem Muggiotal musste eigens eine Material-Seilbahn erstellt werden, weil die Eisenbahn wegen Tunnels und Kurven den Transport sperriger Güter nicht erlaubt. Gleichwohl mussten noch etliche Helikopterflüge getätigt werden. Auch wenn die Baustelle nun in die Winterpause geht, liegen die Arbeiten im Zeitplan. Die Fertigstellung des Gebäudes ist für Ende 2016 vorgesehen – dann soll auch die offizielle Einweihung stattfinden. “Gerade noch rechtzeitig zum 75-Jahr-Jubiläum der Übernahme durch die Migros”, sagt Francesco Isgrò, Direktor der Ferrovia Monte Generoso (FMG). Ab Saisoneröffnung 2017 beginnt der Publikumsbetrieb. Der Migros- Genossenschaftsbund hatte die 1890 erstellte und in finanzielle Turbulenzen geratene Bahn im Jahr 1941 übernommen. Auch nun liegen die Gesamtkosten von 20 Millionen Franken für den Restaurant-Neubau ganz auf den Schultern der Migros beziehungsweise des Migros-Kulturprozents. Nicht mehr anknüpfen wird man an die Pionierzeiten am Generoso, als hier Hotels standen. 1870 eröffnete Benigno Clericetti aus Scudellate im Gipfelgebiet das Hotel Schweizerhof mit nur wenigen Zimmern. Es folgen 1889-1890 mit Kulm und Vetta zwei weitere Hotels am Gipfel. Das ist längst Geschichte. Im neuen Botta-Gebäude wird es einige Gästezimmer geben, doch ein eigentlicher Hotelbetrieb ist nicht vorgesehen. Die Migros hofft allerdings, dass das Gebäude zu einem Anziehungspunkt von landesweiter Ausstrahlung wird – ähnlich wie die Monte-Rosa-Hütte im Wallis.